24 Stunden können ganz schön lang sein.

1.440 Minuten auch.

86.400 Sekunden erst recht.

Da denkt man sich, dass jedes Autorennen spannend ist. Stimmt schon, aber irgendwie nicht immer. Daheim an der Carrerabahn oder bei Formel1-Rennen geht das ja noch. Wenn einer keine Lust mehr hat, hört man auf. Oder man geht mal Pipi machen, weil ja sowieso immer Vettel gewinnt. Oder jetzt eben ein anderer. Bei Langstreckenrennen ist das etwas anders. Etwas länger oder auch viel länger. Langstreckenrennen heißen je nicht deswegen so, weil sie kurz sind.

Deswegen können sich 24 Stunden ganz schön ziehen.

Spannend ist es am Anfang und ganz am Schluss.

Zwischendrin ist es lang. Alles kann so spannend sein wie es will.

Trotzdem ist es lang.

So auch beim 80. 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

Audi ist natürlich Favorit. Seit dem Jahr 2000 ist Audi 13 mal angetreten und hat 11 mal gewonnen.

In den vergangenen Jahren hat Peugeot mit seinen Diesel-Racern Audi das Leben mitunter sehr schwer gemacht. Zwischendurch waren die Franzosen durchaus vorne, aber leider auch etwas glücklos.

In diesem Jahr hat sich der arme PSA-Konzern den Renneinsatz gespart. Kein Wunder. Le Mans muss man sich leisten können. Ein dreistelliger Millionenbetrag für Entwicklung, Rennstall und Sponsoring muss schließlich übrig sein. Bei den Franzosen ist das zur Zeit nicht so. In diese Konkurrenzlücke sprang Toyota (nach 12jähriger Pause) mit zwei Hybrid-Racern mit der Bezeichnung TS030.

Anders als Audi setzten die Japaner auf einen Benziner. Der 3,4 Liter V8 ist mit einem E-Motor gekoppelt. Superkondensatoren speichern die Bremsenergie und geben den Strom wieder ab, damit die Fahrer beim Überholen oder beim Herausbeschleunigen aus Kurven mehr Power haben. Toyota nutzt Kondensatoren, weil sie leichter sind als Batterien und Energie schneller aufnehmen und wieder abgeben können.

Peugeot hätte ein System aus der Formel1 benutzt und Audi setzt auf einen Schwungmassenspeicher (bis zu 45.000 U/Min). Der gibt die Energie an die Vorderräder ab und macht den Audi so zum Allradler. Beim Anbremsen vor einer Kurve geht die Bremsenergie also nicht verloren, sondern wird gespeichert. Beim Herausbeschleunigen helfen die beiden Elektromotoren mit bis zu 204 PS (an der Hinterachse arbeitet der V6-TDI mit 510PS).

Na und?

Für uns Verbraucher hat das den Vorteil, dass es einen „elektrischen“ Allrad geben wird, den e-tron quattro (im neuen A4). Dabei gibt es keine mechanische Verbindung mehr zwischen Vorder-und Hinterachse. Die E-Motoren an der zweiten Achse werden bei Bedarf einfach zugeschaltet. Das spart Gewicht und Kraft. Dennoch wird Audi den klassischen Allradantrieb in den Q-Modellen beibehalten. Zurück nach Le Mans. Am Testtag waren die Toyotas pro Runde nur 2 Sekunden langsamer als die Audis. In der Spitzengeschwindigkeit waren sie mit 330km/h sogar 3 km/h schneller als die Ingolstädter.

Um 15 Uhr am Samstag war es dann so weit.

Start des legendären 24-Stunden-Rennens vor rund 240.000 Zuschauern in Le Mans (mit dem Experimentalfahrzeug Delta Wing von Nissan in der Mitte zwischen Audi und Toyota).

Zwei Audi R18 e-tron quattro (Diesel-Hybrid) plus zwei R18 ultra (Diesel) gegen zwei Toyota TS030 (Benziner).

Insgesamt 56 Starter in den Klassen Sportprotoypen (LMP) und Gran Tueismos (GTE).

Los gehts auf die permanente Rennstrecke (Circuit Bugatti) und dann weiter auf Landstraßen und wieder zurück.

13,629 Kilometer pro Runde, davon 9,207km auf Landstraßen. 85% der Strecke mit Vollgas.

24 Stunden lang.

Ähnlich wie an der Nürburgring-Nordschleife ist auch in Le Mans das Wetter ein wichtiger Faktor.

Alles ist möglich.

Staubtrockene und pitschnasse Streckenabschnitte. So auch in diesem Jahr. Platzregen und trockenes Wetter.

Die Strategie von Audi geht auf. Die R18 e-tron quattro fahren von Beginn an vorne weg, gefolgt von ihren konventionellen Diesel-Brüdern und den Toyotas.

Die Toyotas können den Anschluss an die Spitze fünf Stunden lang halten. Dann schießt ein Ferrari den ersten Toyota ab. Der TS030 überschlägt sich und fliegt in die Reifenstapel. Toyota-Pilot Anthony Davidson wird an der Wirbelsäule verletzt. Der zweite Toyota scheidet nach 10 Stunden durch einen technischen Defekt aus.

Um so enttäuschender für die Japaner, denn das Team hatte zwischenzeitlich sogar die Führung im Rennen übernommen. Bei der ersten Teilnahme nach so langer Zeit gleich in Führung gehen zu können, ist sehr respektabel.

So.

Noch 14 Stunden.

Das heißt Tankstopps, Fahrerwechsel und für die Zuschauer sicher mehr Schlaf als für die Fahrer.

Aber selbst, wenn man schön ausschlafen könnte, was man nicht kann, weil man ja neugierig ist, sind dann immer noch 4-6 Stunden Rennzeit übrig.

Das zieht sich dann wieder ein bisschen. Gut, wenn man gute Freunde, gute Bücher oder gute Musik dabei hat.

 

Damit wir uns richtig verstehen: Die 24-Stunden von Le Mans sind eine großartige Erfahrung.

Das sieht Audi bestimmt auch so, denn das Treppchen belegen die beiden R18 e-tron quattro und ein R18 ultra. Nach 2000, 2002 und 2010 ist das der vierte Audi-Dreifachsieg.

33 von 56 Fahrzeugen kommen ins Ziel. Das Siegerauto, der e-tron Quattro mit Marcel Fässler, André Lottere und Benoit Tréluyer am Steuer schafft 378 Runden.

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